Beschreibung:

4 S. Text, 12 Tafeln Mappe.

Bemerkung:

Die Mappe ist leicht berieben, ansonsten ein sehr gutes und sauberes Exemplar ohne Anstreichungen. - (Auszug:) Frühere Autoren betrachteten ein Bildwerk, im Sinne der Gestalttheorie, als das Resultat eines privilegierten Experiments, in welches sich die Gesamtheit der Person projizierte. Eine Zeichnung oder eine Malerei galt nicht als Ausdruck eines partiellen Impulses, wohl aber als der eines voll und ganz an seiner Schöpfung beteiligten Individuums, mit allen seinen gesunden und morbiden Tendenzen. Gleichzeitig waren die Kliniker beeindruckt von der Umwandlung des Stils während der spontanen Entwicklung von Psychosen: alternierend dunkle und helle Perioden bei zirkulärer Psychose, Abwertung des graphischen Ausdrucks während der dementiellen und wahnhaften Entwicklung bei progressiver Paralyse, Spal- tung im Stil der Bildnereien im Verlauf einer Dementia praecox. Anhand einer einzigen Zeichnung interpretierte man die Gesamtpersönlichkeit ihres Autors in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Diese Art der Erfassung eines Bildwerks wurde tief- greifend verändert, einerseits durch die therapeutischen Fortschritte, andererseits durch psychoanalytische und phänomenologische Erkenntnisse. Stilwandlungen wur- den nun nicht nur bei spontanen Krankheitsevolutionen verfolgt, sondern auch während der Therapie. Die ersten Publikationen betrafen Veränderungen des Stils vor und nach Malariatherapie, während Elektroschock- und Sakelscher Insulinkuren, vor und nach psychochirur- gischen Eingriffen. Gewisse Techniken, wie z. B. "Finger painting", gestatteten das Aufsuchen und Festhalten von Anzeichen einer guten oder schlechten Prognose, das Bewerten von Fortschritten oder Verschlechterungen. Strukturwandlungen wurden ferner erfasst im Verlauf psychotherapeutischer Kuren. Man versuchte, das Bild- werk nicht nur in die Dynamik der Persönlichkeit, son- dern als Instrument in die Behandlungstechnik selbst einzugliedern. Immer mehr wurde es als Ausdruck einer Partialtendenz aufgefasst, die einer Analyse auf ihrem eigenen Interpretationsniveau wert ist, in der <<Hic et nunc>>- Situation und im Lichte der Arzt-Patient-Übertragungs- situation. Nur Serien von Bildern konnten ermöglichen, das Spiel der sukzessiven und kontradiktorischen Einzel- impulse in ihrer Beweglichkeit und Dynamik zu erfassen.