Beschreibung:

480 S. Br. *im Fußschnitt gestempelt, sonst neuwertig*

Bemerkung:

Die Arbeit des Philosophen wird primär als Arbeit am Argument und am Begriff aufgefasst. Beispiele spielen hingegen eine sekundäre Rolle, gehorchen sie doch bloß illustrativen Zwecken? Manche Beispiele sind so alt wie die Philosophie; andere dienen nicht zuletzt der Publikumsbelustigung (»the cat is on the mat, but I don?t believe it is«). Was geschähe, wenn wir alle Beispiele in philosophischen Texten einfach schwärzten? Begriffe verlören ihren Kontext, Argumentationen begännen zu springen, Theorien würden halt-, da gegenstandslos. Das gegebene Beispiel selbst mag austauschbar sein, der Platz, an dem es steht, ist es nicht. Beispiele gehören zur kritischen Verhandlungsmasse einer philosophischen Theorie und sind Quelle beständigen Streits. Nicht immer beherrschen Philosophen die unfreiwilligen Übertragungseffekte, die von dem gewählten Beispiel zurück auf die Theorie ausstrahlen. Was bleibt von der »Grundlegung der Metaphysik der Sitten«, von ihrer Kaskade scheiternder Beispiele für eine ?Handlung rein aus Pflicht? her gelesen? In welchem Licht erscheint Heideggers ?Streit von Welt und Erde?, wenn wir ihn von einer nie besuchten, griechischen Tempelanlage auf italienischem Boden her denken? Was geschieht mit Hilary Putnams Gedankenexperiment über ?Gehirne im Tank?, wenn Prof. Simon Wright aus den Captain-Future-Heften hierfür Pate steht? Kurz: Welche unfreiwilligen Einsichten verdankt die Theorie ihren Beispielen? Welchen Missbrauch glaubt sie dennoch mit ihnen treiben zu können? Mirjam Schaub liest kanonische philosophische Texte als implizite Theorien über die Friktionen, die sich zwischen dem Singulären und dem Exemplarischen in systematischer Perspektive auftun. Aristoteles, Nelson Goodman und Giorgio Agamben werden dabei als Beispieltheoretiker herangezogen, andere als mit ihren Beispielen je anders ringende Praktiker vorgestellt. Die Studie untersucht, »wie über die Verwendung von Beispielen in philosophischen Texten mit dem rhetorischen Exempelgebrauch gebrochen und eine Experimentalordnung aufgebaut wird, in der die Exempelverwendung und das Scheitern am Beispiel eine ? philosophisch nicht wirklich zu bewältigende ? Singularität evoziert«. (Niklaus Largier, Berkeley)