Beschreibung:

633 S. kart.

Bemerkung:

Kart. Ausgabe. Einband berieben und bestoßen, papierbedingt gebräunt. Schnitt leicht fleckig. Namenseintrag - "Epoche des Faschismus" - dieser schon von Thomas Mann verwendete Begriff klingt bis heute ungewohnt und bedarf einer Rechtfertigung. Das vorliegende Buch betrachtet zum ersten Mal den Faschismus als Ganzes und macht auf überzeugende Weise deutlich, daß es sich bei ihm um das kennzeichnendste Phänomen der Weltkriegsepoche handelt. Nolte beginnt seine Untersuchung mit einer Übersicht über die Fülle faschistischer Bewegungen im Europa der Zwischenkriegszeit und die gegensätzlichen Auslegungen, die ihnen zuteil wurden; sic begründet das eigene methodische Vorgehen, das die Action française, den italienischen Faschismus und den deutschen Nationalsozialismus als charakteristische Stufen herausgreift und in jeweils vier Kapiteln die Tradition, die Geschichte, die Praxis und die Doktrin der drei Bewegungen zur Darstellung bringt. Die Action française, Resultat der konservativen Niederlage in der Affäre Dreyfus, erscheint politisch und organisatorisch als eine Frühform des Faschismus, deren geistiger Ort nirgendwo besser faßbar wird als in der eingehend analy-sierten Doktrin von Charles Maurras. Vor dieser Folie ist der wandlungsreiche und pragmatische Charakter des italienischen Faschismus besonders deutlich zu erkennen. Das Geschichtskapitel nimmt hier den breitesten Raum ein und darin die intellektuelle Biographie Mussolinis, dessen lange fortwirkende Herkunft aus dem Marxismus anhand der jüngst erschienenen Opera Omnia nachgewiesen wird. Der deutsche Nationalsozialismus wird von vornherein in diesen europäischen und epochalen Rahmen hineingestellt. In dem Abschnitt, der ihm gewidmet ist, liegt auf der vergleichenden Betrachtungsweise ein starker Akzent. Doch gerade der Vergleich stellt auch das Unvergleichbare ans Licht - eine bisher unbekannte frühe Quelle stützt eine Auffassung, die im Vernichtungswillen den Kern der Hitlerschen Politik erkennt. Als das eigentliche Objekt dieses Willens aber erweist sich ein nicht mehr bloß politischer Vorgang. Die Frage des Schlußteils nach dem Faschismus als transpolitischem Phänomen ist mithin keine bloß angehängte philosophische Reflexion: sie entspringt zwingend der Geschichte dieser Epoche selbst und macht sie zugleich in einem umfassenderen Zusammenhang begreifbar.