Beschreibung:

Theodor Hosemann (1807 Brandenburg - 1875 Berlin), Der Schauspieler Karl Seydelmann als Landsknecht, um 1840. Aquarell mit Bleistift, 22 cm (Höhe) x 14,7 cm (Breite), rechts unten in Blei mit "Th.[eodor] Hosemann. f.[ecit]" signiert. - Papier etwas nachgedunkelt, angestaubt, mit leichteren Knickspuren und am oberen Rand mit Montageresten. Die Darstellung selbst in kräftigen Farben und gutem Zustand. - Die Ausdrucksstärke der einfachen Pose - Möglicherweise eine Figur aus Friedrich Schillers "Wallenstein" verkörpernd, blickt der mit Muskete und Degen gerüstete Schauspieler Karl Seydelmann in die Ferne. Dabei ist sein Körper mit dem in die Seite gestützten linken Arm bildfrontal ausgerichtet, was der Figur eine von den Waffen unterstrichene Machtfülle verleiht und zugleich seine Entschlossenheit, sich dem Feid zu stellen, zum Ausdruck bringt. Dabei tritt die in die Höhe gehaltene Muskete in Analogie zu einer Fahnenstange, wodurch die Kampfbereitschaft als von der zur Schau getragenen Gesinnung motiviert erscheint. Dazu passt das die Haltung dramatisierende flammende ,Signalrot'. Die Ausdrucksstärke der Darstellung speist sich aus einfachen, beinahe alltäglichen Gesten, worin sich der ,neue Realismus' zeigt, der Seydelmanns Spiel mit Hosemanns Kunst verbindet. Die Meisterschaft von Hosemanns ausdrucksstarkem Realismus konzentriert sich in der ,sprechenden' Physiognomie. zum Künstler Bereits als Zwölfjähriger war Theodor Hosemann ab 1819 für die "Lithografische Anstalt Arnz & Winckelmann" in Düsseldorf tätig. Von 1822 bis 1828 studierte er zudem an der Düsseldorfer Kunstakademie und war dort ab 1826 Schüler Wilhelm Schadows. 1828 trennte sich Johann Christian Winckelmann von seinen Geschäftspartnern, den Brüdern Heinrich und Josef Arnz, und eröffnete in Berlin den auf Bilderbögen und Kinderbücher spezialisierten Verlag "Winckelmann & Söhne". Theodor Hosemann folgte Winckelmann als Verlagszeichner nach Berlin, wo er sich schnell einen Namen machte und ab 1830 auch für George Gropius "Bunte Hefte" tätig war. Von 1834 bis 1852 arbeitete er mit dem scharfzüngigen Humoristen Adolf Glaßbrenner zusammen, der seine Publikationen unter dem Namen Adolf Brennglas veröffentlichte, und schuf Illustrationen für dessen Reihe "Berlin wie es ist und - trinkt", das "Berliner Volksleben" und den "Komischen Volkskalender". Von 1842 bis 1855 war Hosemann Mitglied des renommierten Berliner Literatenvereins "Tunnel über der Spree", wo er aufgrund seiner nunmehr vor allem humoristischen Bilden den Vereinsnamen "[William] Hogarth" trug. 1857 wurde Hosemann als Professor an die Berliner Akademie berufen, wo 1874 Heinrich Zille zu seinen Schülern gehörte. Theodor Hosemanns Oeuvre umfasst zahlreiche Zeichnungen und etwa 6000 graphische Werke. Darüber hinaus war er auch als Maler tätig. Zu seinen bedeutendsten Buchillustrationen zählen die Schriften E. T. A. Hoffmanns, die Märchen Hans-Christian Andersens und die Abenteuer des Baron Münchhausen. "Das vormärzliche Berlin hat in ihm seinen getreuesten Chronisten und Schilderer gefunden; und hätte er nicht mehr geschaffen als seine Bilder aus dem Berliner Volksleben, sein Andenken könnte nicht verlöschen, und jeder, der die Geschichte unserer Stadt in jenen Zeiten recht verstehen will, muß auch die Schilderungen Hosemanns zur Hand nehmen - die beste Bilderchronik jener Jahre!" Schriften des Vereins für die Geschichte Berlins, September 1897