Beschreibung:

(ca. 28 x 23,6 cm). 2 Hefte (je ca. 20 S.) und 4 teils handgezeichnete und -beschriftete Pläne/Karten. Original Karton-Mappe (blau) mit handschriftlichem Deckeltitel. ##############-WIR MACHEN EINE FRÜHLINGSAKTION MIT 25 PROZENT AUF DEN GANZEN BESTAND BIS ZUM 31.05. ÜBER IHR INTERESSE AN UNSEREN SELTENEN OBJEKTEN WÜRDEN WIR UNS WIE IMMER FREUEN-###############

Bemerkung:

Das private Album gehörte sehr wahrscheinlich einem Heranwachsenden aus der großen Zahl an Flüchtlingen aus den Ostteilen des Deutschen Reichs zu Anfang 1945. Als die sowjetische Armee und damit die Front an die Ostprovinzen Ostpreußen, Westpreußen, Pommern und Schlesien heranrückte sind mehr als 2 Millionen Menschen gen Westen geflüchtet. Circa 250.000 sind Anfang 1945 über die Ostseehäfen nach Dänemark gekommen und wurden infolge dort vom deutschen Militär untergebracht bzw. nach Kriegsende von den dänischen Behörden interniert. Insgesamt mehr als 450 Lager zur Internierung wurden bis 1949 betrieben. Die Flüchtlinge durften aufgrund der Zustände nach 1945 nur schrittweise mit Genehmigung der Alliierten in den Jahren 1946-1949 in die Besatzungszonen Deutschlands einreisen. Die Mappe mit dem Titel "Mein Tagebuch" versammelt verschiedene Erinnerungsstücke eines vermutlich Heranwachsenden. Auf einem Blatt Schreibpapier (ca. 20,5 x 26 cm) mit kindlich handgeschriebener Überschrift "Stadtkarte Fredericia" ist ein Stadtplan des übersichtlichen Orts montiert. Der Plan (ca. 44,5 x 55 cm) ist in Farbe gedruckt, in dänischer Sprache und trägt das Druckdatum 1944. Der Standort wurde bis Frühjahr 1945 von der Wehrmacht genutzt. Es ist wahrscheinlich, daß der Heranwachsende und andere Flüchtlinge auf ihrer Fluchtroute im Hafen von Fredericia angekommen sind. Da bewusst ein Stadtplan aufgeklebt wurde ist auch eine temporäre Unterbringung vor Ort denkbar, sehr wahrscheinlich noch durch die deutschen Truppen vor Mai 1945 denn die Flüchtlingsströme sind bereits in den ersten Wochen des Jahres in Dänemark angekommen. Desweiteren ist eine Landkarte Dänemarks (Provins-Forlaget, Randers / 12 Segmente, 2 fehlend, in Farbe gedruckt) in der Mappe, die auch vor 1945 gedruckt wurde da sie das angrenzende Deutsche Reich noch vor der Aufteilung in Zonen und samt der Ostprovinzen zeigt. Auf einem weiteren Blatt Schreibpapier (mit vorgedruckten Zeilen und Spalten, was auf eine zweckentfremdete Nutzung hinweist) ist handschriftlich notiert: "Oksböl, bei Esbjerg, Dänemark. Lagplan. wie Oksböl bei unserer Ankunft war." Hier ist ein handgezeichneter Plan des Lagers Oksbøl aufgeklebt worden. Die Schrift auf Blatt und Plan weist wieder auf einen Heranwachsenden hin, sie scheint noch in Entwicklung und weist auch mehrere Rechtschreibfehler auf. Dieser Plan (ca. 53 x 68,5 cm) ist aus mehreren Blättern zusammengeklebt worden und vermutlich von einem aushängenden Plan übertragen worden. Er weist Lagerstraßen, Gebäude, Plätze und umliegende Begrenzungen auf. Im Plan ist ausführlich (auf deutsch) beschriftet worden und Gebäude oft farbig markiert. Der wichtigste Punkt an diesem handgezeichneten Plan allerdings besteht darin, daß er höchstwahrscheinlich vor April/Mai 1945 gezeichnet wurde. Im Plan weist vieles auf die noch anwesende Wehrmacht hin, denn genannt werden einschlägig militärische Orte wie Kleiner und Grosser Exerzierplatz, Handgranatenwurfplatz, "Munilager", Gebäude "Komandant", Offz Heim 1 + 2, Fliegerdrehscheibe, Arrestanstalt, Schiessstand, Geschützhalle und viele andere. Allesamt Gebäude die im späteren dänisch verwalteten Flüchtlingslager Oksbøl umfunktioniert waren, um mehr als 30.000 Menschen unterzubringen. Einen weiteren Hinweis auf eine jugendliche Urheberschaft gibt auch das Markieren der "Schulschiessstände" im Plan. Ein nächstes Stück in der Mappe ist der, wiederum auf einem leeren Blatt mit Überschrift "Oksböl. Lagerkarte Stand 15. Nov. 1945" aufgeklebte, Lageplan des Lagers unter dänischer Verwaltung ein halbes Jahr nach Kriegsende. Dieser Plan (ca. 31,5 x 43 cm) ist gedruckt und von der Technischen Abteilung des Lagers verantwortet. Hier sind keine militärischen Orte und Funktionen mehr zu finden, es sind Baracken, Küchen-, Kranken-, und Schulgebäude eingezeichnet. In der Mappe ist weiterhin ein "Liederbuch für die deutschen Flüchtlinge in Dänemark" (blauer Einband) zu finden, das auf ca. 40 S. Volkslieder widergibt und von der Dänischen Flüchtlingsverwaltung herausgegeben wurde. Deren roter Stempel findet sich auch auf dem Vorderdeckel: "Dänische Flüchtlingsverwaltung Bildungsarbeit". Als letzter Gegenstand befindet sich in der Mappe ein Heft der dänischen Pfadfinder (Det Danske Spejderkorps) mit dem Titel "Af Ornepatruljen's Dagbog". Sehr interessante Original-Mappe mit authentischen Gegenständen aus Perspektive eines wohl jugendlichen Flüchtlings in Dänemark!

Erhaltungszustand:

Mappe berieben und randfleckig, lose eingelegte Papiere weitgehend gut erhalten.