Beschreibung:

220 Seiten : Illustrationen ; qu.-23,5 cm; 1 Beiheft; fadengeh., farb. illustr. Orig.-Pappband.

Bemerkung:

Sehr gut; nahezu neuwertig. - Deutsch; englisch. - Text von Ralf Sachsse; Vorwort Samuel D. Gruber. // " ... Die Fotos von Christian Herrmann ? dokumentieren, was er von einer vergangenen Zeit sieht, aber die Orte und Räume, die er fotografiert, geben ihre Geheimnisse nicht ohne weiteres preis. Ich habe Hunderte von verlassenen Friedhöfen und Synagogen in Europa (und in Amerika) besucht, und für mich erinnert das Foto von Birzai auf eindrucksvolle Weise an die Flut von Geschichte und Zerstörung, die fast alle jüdischen Erinne-rungsorte in Osteuropa überschwemmt haben. Die Blätter sind herabgefallen. Die Juden wurden getötet oder vertrieben. Das Wasser ist nicht gekommen, um zu reinigen, sondern um Jahrhunderte der Geschichte und Millionen von Leben zu begraben, die gelebt und verloren wurden. Die Folgen dieser Flut der Geschichte, die über die jüdische Welt des 20. Jahrhunderts hereinbrach wie die biblische Flut der Genesis zu Zeiten Noahs, sind das Thema dieses Buches. Es ist ein Buch mit großartigen Fotografien, und es kann auf einer rein ästhe-tischen Ebene gewürdigt werden. Aber der Anstoß für das Buch und seine Bedeutung gehen weit über die Ästhetik hinaus. Herrmann ist ein Künstler, kein Historiker. Selbst in den farbigsten und lebendigsten Szenen ist ein starkes Gefühl von Trauma - oder Posttrauma - vorhanden. Es sind Tatortbilder, die achtzig Jahre zu spät kommen. Es ist unmöglich wiederherzustellen, was hier geschehen ist. In meiner Arbeit als Historiker und Denkmalpfleger ist die Genauigkeit der Dokumentation äußerst wichtig, aber in diesem Fall spielt es kaum eine Rolle, dass das Foto aus Birzai stammt. Es könnte von tausend anderen Orten stammen, und es dient als angemessene Einführung in das übergeordnete Thema dieses Buches - das starke Gefühl des Verlustes und das Erbe der leeren Räume. Mehr als ein Jahrzehnt lang hat Christian Herrmann Osteuropa durchquert, um das Strandgut jahrhundertelangen jüdischen Lebens zu fotografieren - die oft vernachlässigten Überreste einer Zivilisation von Generationen tatkräftiger und schöpferischer Menschen. Diese Juden waren meist religiös, aber auch weltlich; meist arm, aber auch wohlhabend; meist traditionell, aber manchmal auch modern. In diesem Buch werden diese Zuschreibungen verwischt. Unterschiede, die für die Lebenden von Bedeutung gewesen wären, scheinen nach dem Tod irrelevant zu sein. Juden wurden an diesen Orten ermordet, weil sie Juden waren, nicht wegen ihres individuellen Lebensstils oder Glaubens. ? " (Vorwort von Samuel D. Gruber) ISBN 9783867324250