Beschreibung:

[2] Bl., 302 S. ; mit einem Frontispiz (Kupferst.) und einer gestochenen Titelvignette (Kupferst.). Oktav. Buntpapiereinband der Zeit mit goldgeprägtem Rückentitel.

Bemerkung:

vgl. Sangermeister 28; Erste Ausgabe in ungewöhnlich wohlerhaltenem und breitrandigen Exemplar. August Lafontaine (1758-1831), Feldprediger, ?von der Universität Halle mit dem Doktordiplom und vom Könige von Preußen mit einem Kanonikat beschenkt", gilt als ?Schöpfer des weinerlichen Familienromans; Seine Werke rührten ihn selbst zu Tränen. So fruchtbar war er, daß er vergaß, was er geschrieben hatte, und seine Erfindungen, die sich in engen Kreisen drehen, mehrfach zum zweiten Male erfand" (Goedeke). Diese abwertende Beurteilung aus dem 19. Jahrhundert ist heute einer differenzierteren Sicht weise gewichen. Es wird Lafontaines Parteilichkeit für die Jugend hervorgehoben: ?Sein Kampf richtet sich gegen überholte patriarchalische Lebensformen, ja gegen den Autoritätsanspruch des 18. Jahrhunderts ganz allgemein, gegen die er die Rechte der jungen Generation verteidigt." In Lafontaines ?Familienroman" tritt deutlich und unverhüllt die Diesseitsbezogenheit auf. Zur Belebung der Handlung und Erhöhung der Spannung, aber auch zur exakteren Erfassung von , Welt' wird auf äußere Ereignisse größerer Wert gelegt als auf theoretische Erörterungen. »Je natürlicher erfahrbare Wirklichkeit geschildert ist, um so begeisterter wird der Roman aufgenommen. Der erste bedeutende Vertreter dieses neuen ,Realismus' ist August Lafontaine, dessen Familienromane zu den beliebtesten Werken der Jahrhundertwende gehören. Es wird berichtet, da sogar Königin Louise zu seinen eifrigen Verehrerinnen zählte. Seine Romane zeichnen sich durch warmherzige Erfindung und ein natürliches Erzähltalent aus. Seine kurzen, treffenden Sätze erreichen eine große Bildhaftigkeit .. Er tritt wie kaum in Zeitgenosse aus der Anonymität der Umweltschilderung in eine geographisch fixierbare Landschaft" (Beaujean, Der Trivialroman).