Beschreibung:

deme beygefüget/ einige darzu gehörige und nöthige Fürstliche General-Rescripta, welche in vorigen Auflagen niemals zu finden gewesen seynd. Mit Hoch-Fürstl. sonderbahr gnädigst ertheiltem Privilegio.. Kl.-8vo. Tb., 23 Bll., 535 S., 2 Bll., mit Falttafel im Text: Tabell oder Extract über den Vierdten Theil Fürstl. Würtembergischen Land-Rechtens, von Succession und Vererbung deren, so ohne Testament oder sondere Gemächt absterben. Einfacher, zeitgenössischer Pergamentband.

Bemerkung:

Die Initiative zum Württembergischen Landrecht ging von den Landständen aus. Der Weg einer Kommission, die die örtlichen Gewohnheiten und Rechte zusammenträgt und dann zu einem neuen, einheitlichen Landrecht zusammenfügt, erwies sich als Sackgasse. Die Landstände riefen den Herzog auf, die Vereinheitlichung durch eine Juristenkommission quasi von oben schaffen zu lassen. Dem so entstandenen Entwurf wurde 1553 auf dem Böblinger Landtag zugestimmt, die Fassung wurde 1555 erstmals publiziert und in diesem Jahr auch von Kaiser Karl V. bestätigt. Die bisherige Kleinteiligkeit der verschiedenen Privatrechtsordnungen wurde so durch am römischen Recht geschulte Juristen überwunden, vor allem sind hier zu nennen Ulrich Ruker, Caspar Beer, Caspar Volland und Johann Sichard. Das Württembergische Landrecht von 1555, das sog. Erste Landrecht, war in 4 Teile gegliedert: Prozessrecht; Vertragsrecht, Pfandrecht und Sachenrecht; letztwillige Verfügungen und schließlich das Intestaterbrecht. Freilich wurde bei der Schaffung des Ersten Landrechts auch - mehr oder weniger - auf bewährte Stadtrechte zurückgegriffen: das Tübinger Stadtrecht von 1493, das Freiburger Stadtrecht von 1520, die Mainzer Untergerichtsordnung von 1534, die Zweite Württembergische Hofgerichtsordnung von 1514 und die Wormser Reformation von 1498. Probleme insbesondere mit dem 4. Teil ließen bereits einige Jahre später Rufe nach einer Revision des Landrechts laut werden. Dies mündete in das sog. Zweite Landrecht von 1567. Eine weitere Revision erfolgte 1610 (Drittes Landrecht). Diese letzte Fassung blieb im Grunde bis zum BGB im Jahre 1900 in Kraft, abgesehen von zuvor geschaffenen einheitlichen Rechtsordnungen, die dem BGB vorausgingen (z. B. Zivilprozessordung von 1868). Das Württembergische Landrecht beeinflusste spätere Landrechtsentwürfe erheblich: das Pfälzische Landrecht von 1582, das Landrecht der Markgrafschaft Baden-Baden von 1588, das Solmser Landrecht von 1571 oder die Frankfurter Reformation von 1578. Das Strafrecht fehlte noch in diesen Entwürfen, außer im badisch-markgräflichen Landrecht von 1588, in dem das Strafrecht als ein 5. Teil angefügt wurde.

Erhaltungszustand:

(mit wenigen Anstreichungen im Text von alter Hand, Ebd.-Deckel mit Initialen "A. W." und einem Wappen (Schwan) bedruckt.