Beschreibung:

S. 279-298, Beilage. Sonderdruck, Klebebindung in Kartoneinband.

Bemerkung:

Aus der Bibliothek von Prof. Wolfgang Haase, langjährigem Herausgeber der ANRW und des International Journal of the Classical Tradition (IJCT). - Beilage: Zeitungsseite vom 13.2.1988, Interview mit Dekan Bernhard Mann, Eberhard-Karls-Universität Tübingen. - Widmung des Autors an Prof. Stroheker. - Autorenname handschriftl. auf Titelseite, Stempel auf Rückseite, sonst gut und sehr sauber. - Aus dem Text: ?Deutscher Patriotismus bedarf in der Regel, um thätig und wirksam zu werden, der Vermittlung dynastischer Anhänglichkeit; unabhängig von letzterer kommt er praktisch nur in seltenen Fällen zur Hebung, wenn auch theoretisch täglich, in Parlamenten, Zeitungen und Versammlungen; in praxi bedarf der Deutsche einer Dynastie, der er anhängt, oder einer Reizung, die in ihm den Zorn weckt, der zu Thaten treibt. Letztere Erscheinung ist aber ihrer Natur nach keine dauernde Institution. Als Preuße, Hannoveraner, Württemberger, Bayer, Hesse ist er früher bereit, seinen Patriotismus zu documentieren wie als Deutscher; und in den unteren Klassen und in Parlaments-Fraktionen wird es noch lange dauern, ehe das anders wird." Diese rückschauend und vorausblickend zwanzig Jahre nach der Reichsgründung niedergeschriebenen Sätze Bismarcks stehen hier zur Erinnerung an die triviale Tatsache, daß sich auch noch im 19. Jahrhundert der größere Teil des deutschen politischen Lebens nicht im Mittelpunkt eines einheitlichen Staates, sondern in den Zentren der deutschen Partikularstaaten abgespielt hat. Als bewußte nationalpolitische Erzieherin ihres Publikums hat die traditionelle deutsche Historiographie dieses Faktum herunterzuspielen gesucht, und nicht ohne Erfolg. Unter sozialgeschichtlichen Fragestellungen ist es wieder ins Blickfeld gerückt. Die ?nationale Bewegung" erscheint uns nicht mehr als gleichsam elementare Naturkraft, die sich allen partikularen Widerständen zum Trotz Bahn gebrochen hat, sondern als Antwort auf ein Integrationsproblem, das sich beim Übergang von eher statischen und relativ kleinräumigen politischen Einheiten zu den dynamischeren politischen Großräumen der jüngeren Vergangenheit und Gegenwart gestellt hat und offenbar immer wieder stellt. Dabei scheint es kein Endziel und schon gar keine Entelechie zu geben, sondern nur Stufen, Etappen, vorläufige Endzustände.