Beschreibung:

8vo. (I:) Titelkupfer, Tb., XXXII, 424; (II:) Tb., (425-) 1064; (III:) Tb., 695; (IV:) Tb., (697-) 1400 S.; (Register:) Tb., 394 S. Schöne zeitgenössische Pappbände mit geprägten Rückenschildern. 4 Teile und Register in 5 Bänden.

Bemerkung:

Seltene Titelauflage (1792) der Erstausgabe (1791) des Preußischen Landrechts. - Das Gesetzbuch, verabschiedet und gedruckt in 1791, sollte im Frühsommer 1792 in Kraft treten. Es handelt sich bei der vorliegenden Ausgabe um die Ausgabe 1791, die im Jahre 1792 vom Verleger Pauli (wie kurz zuvor vom Verleger Decker) mit neuen Titelblättern versehen wurde. Es handelt sich also um eine Titelauflage der Erstausgabe, erkennbar am dem Teil I vorangestellten Patent des Königs Friedrich Wilhelm, hier umfassend die Seiten I-XX: "Wir Friedrich Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preussen u. s. w. Thun kund und fügen hierdurch jedermann zu wissen: Seit dem Antritte Unserer Regierung haben Wir in der völligen Ueberzeugung, daß gute und billige, deutlich und bestimmt abgefaßte Gesetze zum allgemeinen Wohl eben so sehr, als zur Sicherung und Beförderung der Privatglückseeligkeit eines jeden Einwohners im Staate nothwendig sind, Uns angelegen seyn lassen, Unsern getreuen Unterthanen ein solches Gesetzbuch zu verschaffen...". Das Publikationspatent erteilte der preußische König am 20. März 1791. Mit dem 1. Juni 1792 sollte das Gesetzbuch Gesetzeskraft erlangen. Das Werk war noch nicht erschienen, als es am 18. April 1792 suspendiert wurde. Die Suspension galt zunächst für unbestimmte Zeit, kein Werk durfte in den Handel, kein Exemplar wurde verkauft. Später durften die 1791 gedruckten Exemplare mit neuem Titelblatt 1792 in den Handel gebracht werden. Das Gesetzbuch wurde - nach einigen Modifikationen - erst im Jahre 1794 unter dem neuen Titel "Allgemeines Landrecht für die preussischen Staaten" und mit dem Hinweis "Zweyte Auflage" herausgebracht. - Das erste Land, das im Sinne des Vernunftrechtes Kodifikationen zu schaffen suchte, um damit die menschliche Gesellschaft nach Vernunftgründen zu organisieren, war das Königreich Preussen. Die Initiative für das Reformwerk ergriff noch Friedrich der Große, der sich in Fragen der Gesetzgebung als ein Schüler von Voltaire und Montesquieu verstand. Die bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts angefangenen Arbeiten fanden jedoch erst mit dem "Allgemeinen Landrecht für die Preussischen Staaten" ihren Abschluß. Jedoch konnte sich der Entwurf zunächst nicht vom Römischen Recht und dessen Systematik der Institutionen lösen. Erst die Übernahme der Systemversuche von Christian Wolff und Samuel Pufendorf ließen das preußische Gesetzeswerk reifen und schließlich zu einem der Höhepunkte der zivilrechtlichen Kodifikationen im Zeitalter des Vernunftrechts werden. Das Allgemeine Preußische Landrecht sollte eine endgültige Regelung der Gesellschaftsordnung darstellen: über 20000 Paragraphen sollten alle Einzelheiten des Lebens regeln. Die Endgültigkeit der Regelungen führte beinahe zwangsläufig zu einem Kommentierungsverbot. Alle im Gesetz nicht geregelten Tatbestände mußten danach durch Anfrage beim Justizminister in Berlin angefragt und geregelt werden. Aber nicht nur die Richter, auch die Rechtslehrer und Wissenschaftler durften nicht kommentieren. Zumindest sollten ihre Meinungen nicht berücksichtigt werden: "Auf Meinungen der Rechtslehrer soll bei künftigen Entscheidungen keine Rücksicht genommen werden".

Erhaltungszustand:

(Stempel "K.P.G.C." und preußischem Adler auf Tb.-Rückseite von Bd. 1 und Register, Rückentitel tlw. etw. abgeblättert, ob. Kapital von Bd. 1 restauriert).