Beschreibung:

Erster Theil, welcher die Grundlehre enthält: Die Grundlehre der Staatswirthschaft, ein Elementarbuch für Regentensöhne und alle, die sich dem Dienst des Staats und der Gelehrsamkeit widmen wollen.. 8vo. Titelkupfer (ersetzt), Tb. sowie Tb. von Tl. 1, 1 Bl., 823 (recte: 923) S. Zeitgenössischer Halblederband mit Lederecken, geprägtem Rückentitel, dezenter fleuraler Rückenprägung und schönem Rotschnitt. Tl. 1 (= alles Erschienene).

Bemerkung:

Erste Ausgabe des staatswissenschaftlichen Hauptwerks Jungs. - Jung (1740-1817) hat weder die Rechtswissenschaften noch die Kameralwissenschaften studiert, sondern sich seine Kenntnisse als Autodidakt erworben, vor allem als Kaufmannsgehilfe des Fabrikanten und Kaufmanns Peter Johannes Flender (1730-1781) im Bergischen Land. Erst nach dieser Zeit studierte Jung die Medizin in Straßburg in den Jahren 1770-1772, wo er Goethe und Herder begegnete. Mit Goethe verband ihn zeitlebens eine engere Freundschaft. Nach dem Studium ließ sich Jung als Augenarzt in Elberfeld nieder und praktizierte dort bis 1778, durchaus mit großem Erfolg. Die Beschäftigung mit den Kameral- und Staatswissenschaften betrieb Jung eher nebenbei, als eine Art Hobby neben seiner Praxis als Augenarzt. Seine Zeitschriftenbeiträge auf diesem Gebiet zogen offenbar so viel Aufmerksamkeit auf sich, dass er einen Ruf als Professor für Landwirtschaft, Technologie, Fabriken und Handelskunde sowie Vieharzneikunde an die Kameral Hohe Schule zu Lautern (Kaiserslautern) erhielt, dem er im Jahre 1778 folgte. Es begann für Jung ein Lebensabschnitt auf beruflich gänzlich anderem Gebiet, so als habe er sich neu erfunden. Die Kameral Hohe Schule wurde im Jahre 1784 mit der Universität Heidelberg vereinigt. Der Ruf Jungs auf den Lehrstuhl für ökonomische Wissenschaften der Universität Marburg im Jahre 1787 war eher dem plötzlichen Tod des ursprünglichen Kandidaten, des Leipziger Professors Nathaniel Gottfried Leske (1751-1786), zu verdanken. Es begann die Phase im wissenschaftlichen Leben Jungs, die er von 1787 bis 1803 in Marburg verbrachte und die doch mit einigem wissenschaftlichen Renommee verbunden war. Hier gründete er im Jahre 1789 das Staatswissenschaftliche Institut, hier entstand auch sein vorliegendes staatswissenschaftliches Hauptwerk. Hier avancierte er zum Berater Karl Friedrichs von Baden, der ihn zum Großherzoglich Badischen Geheimen Hofrat berief und im Jahre 1806 nach Karlsruhe holte, wo Jung seine letzten Lebensjahre verbrachte und mit einer Pension des Kurfürsten bedacht war. In die Marburger Zeit fällt auch die Begründung der Forstlehranstalt zu Waldau (bei Kassel), die Jung gemeinsam mit Friedrich Ludwig von Witzleben betrieb. Warum Johann Heinrich Jung seinem Namen den Zusatz "-Stilling" hinzufügte, ist bis heute umstritten. Es wird vermutet, Jung, der mit anderen Schriften zu einem der einflußreichsten Vertreter des Spätpietismus und zu einem Wegbereiter der Erweckungsbewegung wurde, wollte mit dem Zusatznamen seine Zugehörigkeit zu den Pietisten illustrieren. Der spätere Jung-Stilling zählt zu den meistgelesenen religiösen Schriftstellern überhaupt.

Erhaltungszustand:

(Titelkupfer und Vortitel auf altem Papier ersetzt, ebenso 3 Bll. im Register: S. 913-918, leicht brüchiges Gelenk restauriert).