Beschreibung:

Uebersetzt von Christian Garve. Herausgegeben und mit Anmerkungen und Abhandlungen begleitet von Georg Gustav Fülleborn.. 8vo. Tb., 3 Bll. (Inhalt), 686; Tb., LXXXIV (Vorrede von Fülleborn), 399 S. Zeitgenössische Halblederbände mit geprägten Rückentitelschildern. 2 Bde.

Bemerkung:

Erste Ausgabe, selten. - Garve (1742-1798) zählt neben Immanuel Kant und Moses Mendelssohn zu den großen deutschen Philosophen der Spätaufklärung, der stark von der sog. schottischen Moralphilosophie geprägt wurde und damit dem englischen Empirismus anhängte. Er steht in der Tradition David Humes, Adam Fergusons und Adam Smiths. Die Hauptwerke von Ferguson (Grundsätze der Moralphilosophie) und Smith (Der Wohlstand der Nationen) hat Garve ins Deutsche übertragen, wie auch Edmund Burkes "Über den Ursprung unserer Begriffe vom Erhabenen und Schönen". Daneben übersetzte Garve Werke antiker Autoren, Ciceros oder - wie hier - Aristoteles' Politik. Als mehr in der englischen und schottischen Tradition stehender Empiriker, der mit einem philosophischen "Systembau" nicht viel im Sinn hatte, wurde Garve im 19. Jahrhundert vorschnell als "Popularphilosoph" abgetan. Dieser Ruf hängt ihm bis heute und völlig zu Unrecht an. Dazu mag auch beigetragen haben, dass Garve als Privatgelehrter in Breslau eigene moralphilosophische, ökonomische oder psychologische Beiträge vor allem im Rahmen von Zeitschriften veröffentlichte, hier zu nennen sind die "Neue Bibliothek der schönen Wissenschaften und der freyen Künste" und die "Beyträge zur Geschichte der Philosophie" Georg Gustav Fülleborns, die in den Jahren 1791 bis 1799 in 12 Bänden herausgegeben wurden. Es sollte auch die Auseinandersetzung zwischen Garve und Kant nicht unterschätzt werden, die Kant immerhin zu einem "Anti-Garve" anregte, aus dem letztlich die "Grundlegung zur Metaphysik der Sitten" hervorgegangen ist. Seine universitäre Ausbildung erfuhrt Garve an den Universitäten Frankfurt/Oder und Halle, insbesondere auf den Gebieten der Logik, Mathematik und Philosophie. - Fülleborn (1769-1803), der zur Übersetzung der Politik des Aristoteles eine umfangreiche Kommentierung beisteuerte, lebte wie Garve im Breslau und hatte dort die Stelle als Professor der klassischen Sprachen am Elisabeth-Gymnasium inne. Zudem studierte er - wie Garve - an der Universität Halle, sein Studienhintergrund waren aber die Theologie und die Klassische Philologie (bei Friedrich August Wolf). Im Jahre 1791 wurde er zum Diakon der lutherischen Kirche ernannt, was einer Mitgliedschaft in der Breslauer Freimaurerloge "Friedrich zum goldenen Zepter" - übrigens ebenfalls gemeinsam mit Garve - nicht im Wege stand. Garve steuerte dann Beiträge zu Fülleborns Zeitschrift "Beyträge zur Geschichte der Philosophie" bei, deren meisten Beiträge Fülleborn allerdings selbst verfasste. Weitere Beitragende waren Carl Leonhard Reinhold, Friedrich Immanuel Niethammer, Friedrich Karl Forberg und Friedrich August Carus.

Erhaltungszustand:

(Schöner Zustand, Ebde. von unterschiedlicher Provenienz).