Beschreibung:

& Iure maritali, postrema hac editione feliciùs, quàm antea renata, accuratißiméque repurgata. Cum indicibus copiosissimis.. Fol. Tb. in Rot-Schwarz-Druck mit Holzschnitt-Vignette (In virtute et fortuna), 9 Bll., 480 S., 32 Bll. Zeitgenössischer flexibler Pergamentband auf 6 Bünden geheftet mit handbeschriebenem Rücken von alter Hand.

Bemerkung:

Berühmtes juristisches Handbuch zur Disziplinierung der Frauen! - Nach dem reformatorischen Aufbruch folgte eine Zeit sozialer Probleme, in der man nach klaren Ordnungsvorstellungen suchte. In diesem Klima erschien das Werk von André TIRAQUEAU (1488-1558). In beinahe minutiöser Darstellung wird Aufgabe und Pflicht der Frau geschildert: restriktiv, abhängig, einengend. Das Werk hatte unter den Juristen - und nicht nur bei ihnen - einen sehr großen Erfolg, sogar im reformatorischen Deutschland, obwohl dort katholische Werke verpönt waren. Bis 1622 lassen allein 18 Auflagen nachweisen! Das Werk zeigte auch Wirkung: Der Weg zur Hexenverbrennung war vorgezeichnet. Tiraquellus ragt unter den französischen Juristen des 16. Jahrhunderts aus zwei Gründen hervor: zum einen ist er der einzige Praktiker, dessen gemeinrechtlicher Kommentar Bedeutung erlangt hatte. Tiraqueau war Richter in Bordeaux und Paris. Zum anderen sind bei ihm bereits Ansätze humanistischer Denkart zu erkennen. Dies gilt vor allem für sein eherechtliches Werk, das angefüllt ist mit Zitaten humanistischer Bildung, dem aber in Aussage und Begründung die humanistische Zielrichtung fehlt. Dem heutigen Leser ist sein Werk 'De Legibus Connubialibus' sehr fremd. Zwar scheint es die Vorstellung der Zeit über die Ehe und die Stellung der Frau in Ehe und Gesellschaft widerzuspiegeln. Manche Vorstellungen klingen jedoch so abenteuerlich, daß wir ihnen kaum Glauben schenken können. Doch die Zeit war nicht günstig für die Ansprüche oder gar die Emanzipationsbestrebungen der Frauen. Gerade durch die beinahe minuziöse Darstellung der verschiedenen Aufgabenbereiche der Frau (von der Zeugung bis zum Tode) bietet das Werk Anschauungsunterricht über soziale Strukturen der Zeit. Tiraquellus durchleuchtet die Ehe wie ein juristisches Gebilde, und der heutige Leser merkt an nur wenigen Stellen, daß Tiraquellus eigentlich über eine private oder gar intime Sphäre schreibt. So stellt Tiraquellus die grundsätzliche Frage nach dem Vorzug des Zölibats gegenüber der Ehe, verliert Gedanken über das beste Heirats- bzw. Zeugungsalter, zeichnet die optimalen Randbedingungen der Zeugung, die Notwendigkeit des mäßigen und die Schädlichkeit des unmäßigen Geschlechtverkehrs und scheut sich auch nicht vor Detailfragen, so z. B. das Rechts des Adels, die Nacktbesichtigung der Verlobten zu verlangen.

Erhaltungszustand:

(stellenw. mit stärkeren Stockflecken).