Beschreibung:

Editio nova, A D. M(ichel) André, Canonico Rupellensi, juxta editionem Venetianam XXIII tomos in-F° continentem, accurate recognita reverendissimo ILL. Domino sergent, episcopo corisopitensi, ab editore dicata.. Gr.-8vo. Zusammen ca. 23.000 Seiten. Zeitgenössische grüne Halblederbände mit Rückenprägung und aufgebrachten OBroschuren auf Vorderdeckel. 26 Bde. (in zusammen 28 Bdn. = komplette Ausgabe).

Bemerkung:

Gesamtausgabe der Schriften des spanischen Jesuiten Suárez (1548-1617), der als ein Hauptvertreter ("Doctor Eximius") der überaus bedeutenden Schulen von Salamanca und Coimbra eine gewaltige Wirkung auf die folgende politische Ideen- und Rechtsgeschichte hatte. Sein Einfluss wirkte auf die katholische und die protestantische Welt gleichermaßen. Er lehrte Theologie und Philosophie an den Hochschulen in Àvila, Segovia, Valladolid, Rom, Alcalá sowie zuletzt in Salamanca (1592-1597) und Coimbra (1597-1616). - Suarez war ein herausragender Vertreter der Schulen von Salamanca und Coimbra (andere Vertreter waren z. B. Francisco de Vitoria, Domingo de Soto, Luis de Molina oder Martin de Azpilcueta), die ein neues, neuzeitliches Konzept des Naturrechts formulierten, in dem die natürlichen Rechte des Menschen im Mittelpunkt stehen. Von diesem Fundament aus reformulierte man grundlegende Sozialkonzepte neu. So ergibt sich aus der strikten Unterscheidung der Bereiche weltlicher Macht einerseits und geistlicher Macht andererseits erhebliche Konsequenzen für die Legitimation des Souveräns. Das "Volk" sei der eigentlich legitime Empfänger göttlicher Macht, weshalb die Demokratie die natürlichste Form der Regierung sei. Oligarchie und Monarchie seien nur davon abgeleitete Regierungsformen. Nicht nur das "Gottesgnadentum" wird so obsolet und zu einem mittelalterlichen Relikt, sondern es werden Thesen zu einem Widerstandsrecht formuliert, die in der Zeit des Frühabsolutismus doch einiges Konfliktpotenzial boten. Es nimmt nicht wunder, dass gerade Apologeten des Absolutismus die Thesen aus Salamanca und Coimbra zurückwiesen (z. B. der englische Philosoph Robert Filmer in seiner "Patriarcha. Or the Natural Power of Kings" zielte besonders auf die Ansichten Francisco Suarez'). Das neue Naturrecht wirkte wie ein gedanklicher Modernisierungskniff in alle Bereiche des Sozialen, der neben Fragen der Souveränität auch Fragen der Ökonomie oder Fragen des internationalen Zusammenlebens ergriff. Das formulierte Völkerrecht (bei Suarez, vor allem bei Francisco de Vitoria) umfasst auch eine Ablehnung des Kolonialismus, die Zurückweisung päpstlicher Schenkungsbullen oder eine Lehre des gerechten Krieges. Francisco Suarez wird zu den Mitbegründern des Völkerrechts gezählt, von großem Einfluss auf Hugo Grotius, philosophisch vor allem auf Leibniz. Der Jesuit entkräftet die Vorstellung, die Autorität eines Königs sei göttlichen Ursprungs, vielmehr sei das Volk selbst der Träger der eigentlichen politischen Autorität, da nur das Volk als Ganzes der einzig legitime Empfänger göttlicher Macht sei. Der Staat sei das Ergebnis eines Sozialvertrags, mit dem das Volk übereinstimme. Die aristotelische Rechtfertigung der Sklaverei lehnt er ab. Er betont die Individualwürde jedes Menschen, ein Naturrecht sichere jedem Menschen ein würdiges Leben, Freiheit und die Freiheit an Eigentum zu. Die spanische Kolonialpolitik lehnt Suarez weitgehend ab. Die kolonisierten "Staaten" seien im Grunde souverän und dem spanischen Staat gleichgestellt (Gleichheit unter den Staaten) in einer weltumspannenden Gemeinschaft der Nationen ("De bello et de Indis").

Erhaltungszustand:

(St.a.T., Vorderdeckel u. Fußschnitt, kl. briefmarkengroße Bibliotheksrückensignaturen, einige Bde. fachmännisch ausgebessert, insgesamt guter u. repräsentativer Zustand!).