Beschreibung:

Corpus juris civilis Codicibus veteribus manuscriptis et optimis quibusque editionibus collatis. Recensuit Georgius Christianus GEBAUER et post eius obitum editionem Georgius Agustus SPANGENBERG.. Gr.-4to. (I:) Titelkupfer, Tb., 13 Bll., 1144 S., 1 Bl. (Emendanda in Textu); (II:) Tb., 19 Bll., 680 S., Tb. (Novellen), 17 Bll., 814, 48 S. (Consuetudines Feudorum). Sehr schöne, geschmackvolle zeitgenössische Halblederbände mit Lederecken, Buntpapierüberzug auf den Deckeln, gelbem Buchschnitt und reicher Rückengoldprägung. 2 Bde.

Bemerkung:

Die Gebauer-Spangenberg-Ausgabe, die Ende des 18. Jahrhunderts zum Abschluß kam, war der Beginn der Versuche, eine kritische Ausgabe des Corpus iuris civilis zu erstellen. - Die Geschichte der europäischen Rechtswissenschaft ist geprägt durch das legendäre Corpus juris civilis, das am Anfang des 6. Jahrhunderts in Byzanz geschaffen und im 12. Jahrhundert in Bologna "wiederentdeckt" wurde und schließlich Geltungskraft bis zum 19. Jahrhundert hatte. Aufgund dieser langen Überlieferungperiode ergaben sich eine Reihe von Überlieferungsproblemen aufgrund ungesicherter Texttradition. Die Rechtsschule von Bologna benutzte als Textgrundlage die "Vulgata". 1553 wurde endlich der Codex Florentinus in einer berühmten Druckausgabe in Florenz publiziert, eine lange unter Verschluß gehaltene weitere Handschriftvariante der Digesten. Diese Textvariante bestimmte zunächst als Littera Florentina im Verhältnis zur Littera Bononiensis die Textforschung und die Druckausgaben. Ende des 16. Jahrhundert suchte der große Rechtsgelehrte Dionysius GOTHOFREDUS einen Kompromiss zwischen der Littera Florentina und der Littera Bononiensis. Diese Gothofrediana bestimmte zunächst über Jahrhundert die Rechtslehre, Rechtspraxis sowie auch die Druckausgaben. Den Anfang einer kritischen Ausgabe setzte der holländische Rechtsgelehrte Henrik BRENKMAN (1681-1736), der sein Lebenswerk auf die Herausgabe einer kritischen Ausgabe der Digesten richtete. In umfangreichen Bibliotheksreisen insbesondere durch Italien versuchte Brenkman die Textgrundlage zu schaffen. Im Jahre 1722 legte er der Öffentlichkeit seinen Plan vor und edierte seine berühmte Historia Pandectarum. Der frühe Tod Brenkmans verhinderte die Forsetzung und eventuelle Vollendung seines Planes der Herausgabe einer kritischen Digestenausgabe. Brenkmans Arbeitspapiere gelangten nach seinem Tode an Cornelius van Bynkershoek (gest. 1743) und wurden nach dessen Tod meistbietend verkauft. Erwerber war im November 1743 Georg Christian GEBAUER (1690-1773), ab 1727 Professor in Leipzig, seit 1755 in Göttingen. Auf der Grundlage der Brenkman-Papiere plante Gebauer, eine neue kritische Corpus-iuris-civilis-Ausgabe zu erarbeiten. Nach 20 Jahren war die Arbeit soweit gediehen, daß das Vorhaben bezüglich der Digesten (und Institutionen) als druckfertig bezeichnet werden konnte. Während des Druckes der Digesten starb Gebauer. Die Arbeit Gebauers kam im Jahre 1776 durch Georg August SPANGENBERG (1738-1806) zur Edition. Im Jahre 1797 folgte der zweite Band, der den Codex Iustinianus und die Novellen enthielt. Spangenberg war Professor an der Universität Göttingen, ein Schüler Johann Stephan Pütters. Die Gebauer-Spangenberg-Ausgabe ruhte in den Digesten wesentlich und beinahe ausschließlich auf der Leseart der Littera Florentina. Erst Theodor Mommsen gelang dann mit seinem genialen Wurf eine wirklich kritische Ausgabe der Digesten.

Erhaltungszustand:

Prächtiger Zustand!