Beschreibung:

256 S. Broschiert.

Bemerkung:

Tadelloses Ex. - Was genau also ist Zivilreligion? Gibt es den so bezeichneten Gegenstand wirklich? Und wenn es ihn gibt: handelt es sich dabei tatsächlich um Religion oder um etwas den Religionen Ahnliches, das man nur unter Hinzunahme eines relativierenden Zusatzes als Religion bezeichnen möchte? Seit nunmehr dreißig Jahren beschäftigen sich Wissenschaftler der verschiedensten Disziplinen, vor allem der Soziologie und der Theologie, mit dieser Frage. Erstaunlicherweise fallen die Antworten auch hier höchst unterschiedlich aus. In den wissenschaftlichen Publikationen herrscht keinesfalls mehr Einigkeit als in den einem größeren Publikum zugedachten Medien. Es gibt kaum zwei Autoren, die das Wort Zivilreligion in derselben Weise benutzen. Der kleinste gemeinsame Nenner scheint darin zu bestehen, daß unter diesem Stichwort Beobachtungen verhandelt werden, die weder dem Bereich des Religiösen noch dem Bereich des Politischen eindeutig zugeordnet werden können. Man könnte vermuten, daß wenigstens die Religionswissenschaft aufgrund ihrer programmatischen Distanz zu den einzelnen religiösen Traditionen sich zu einem klareren Begriff durchgerungen hätte. Auch das ist nicht der Fall. Bisher haben sich Vertreter des Fachs aus der Debatte weitgehend herausgehalten. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist das Interesse daran, was das Wort Zivilreligion bezeichnen kann oder soll, auffallend gering. Das ist ein Indiz dafür, daß auch bei religionswissenschaftlern mehrheitlich die Zweifel daran, daß es sich bei Zivilreligion um Religion handelt, die gegenteilige Annahme überwiegen. In der vorliegenden Arbeit möchte ich mich mit dieser in der Regel unausgesprochenen Vermutung kritisch auseinandersetzen. Mein Anliegen besteht darin, einen Vorschlag zu unterbreiten, auf welche Weise man religionswissen-schaftlich von Zivilreligion sprechen kann. Die zu bewältigende Aufgabe wird zum einen darin bestehen, den Begriff zu präzisieren. Zum anderen wird es darum gehen, ihn in die vorhandene religionswissenschaftliche Terminologie einzubinden. Begünstigt wird dieses Vorhaben durch die Tatsache, daß die Religionswissenschaft mit der Religionstypologie über eine reichhaltige theoretische Tradition verfügt, die Resultate hervorgebracht hat, welche eine direkte Anknüpfung an den Zivilreligionsdikurs nicht nur ermöglichen, sondern geradezu nahelegen. Meine Untersuchung ist stärker in religionstheoretischen als in empirischen Problemstellungen verwurzelt. Das hat Konsequenzen für den Aufbau der Arbeit, das methodische Vorgehen und die Auswahl und Aufbereitung des empirischen Materials. Zwar liegen der Untersuchung zahlreiche Dokumente unterschiedlichster Provenienz zugrunde, auf die ich mich in der Argumentation beziehe.13 Sie dienen aber eher der Illustrierung von Thesen als der systematischen Beweisführung. Einen großen Teil der angeführten empirischen Beobachtungen habe ich der (in der Regel soziologischen) Forschungsliteratur zum Thema Zivilreligion entnommen. Derartige empirische Studien gibt es in großer Zahl. Üblicherweise beschränken sich diese Arbeiten auf eine konkrete Gesellschaft und innerhalb dieser auf einen begrenzten Aspekt, etwa auf das Schulsystem, auf lokale Traditionen oder die politische Kultur. Das Anliegen solcher Arbeiten besteht mehrheitlich darin, diese eine Gesellschaft oder den ausgewählten Objektbereich dieser Gesellschaft zu beschreiben, zu analysieren, vielleicht zu erklären. Das empirische Interesse steht hier also regelmäßig im Vordergrund und das Wort Zivilreligion wird als heuristisches Hilfsmittel herangezogen, das dem angestrebten Zweck dienlich erscheint. Das folgende Zitat aus einer ideengeschichtlichen Analyse des amerikanischen Bildungssystems ist bezeichnend: ?The use of the historico-sociological category of American civil religion provides a context, as well as a useful set of categories, from which to view the multi-faceted institution of American education ..."u Empirische Studien dieser Art sind eine reiche Quelle, aus der ich im Verlaufe meiner Untersuchung immer wieder schöpfen werde. ISBN 9783935556989