Beschreibung:

Faksimile- und Kommentarband zum Aratus des Germanicus Ms. Voss. Lat. Q. 79 Bibliothek der Rijksuniversiteit Leiden. Bernhard Bischoff, Bruce Eastwood, Thomas A.-P. Klein, Florntine Mütherich, Pieter F.J. Obbema.. 24,5x21,5 cm. 99 faksim. Bl. mit 39 ganzseit. Miniaturen; 206 S., 1 S. Wildlederband mit Rückenschild; Halb-Wildlederband, in OSchuber.

Bemerkung:

Eines von 980 num. Exemplaren (+ 80 Ex. h.c.). - "Unter den astronomischen Handschriften aus dem Umfeld der karolingischen Renaissance ist die Aratea aus der Leidener Bibliothek die berühmteste. Im zweiten Viertel des 9. Jahrhunderts, ... wurde ein uns unbekannter Künstler damit beauftragt, nach einem spätantiken Vorbild eine neue Bilderhandschrift zu gestalten. Als Text dienten dem Schreiber Auszüge aus den "Phainomena". ... Da sie aber im 13. Jahrhundert kaum gelesen werden konnte, hat zu dieser Zeit ein Schreiber den Text nochmals in gotischer Schrift kopiert: ein Beweis für die dauerhafte Beliebtheit, die die Aratea Jahrhunderte hindurch genossen hat. ... Gemäss kunsthistorischen und paläographischen Forschungen hat die prachtvolle Handschrift ihren Ursprung im späteren Lothringen. ... Die mutmassliche Auftraggeberin war Kaiserin Judith, die zweite Frau Kaiser Ludwigs des Frommen, eine grosse Förderin der Künste und Wissenschaften. Bekannt ist sie vor allem durch ihren Kampf für die Rechte ihres Sohnes, Karls des Kahlen. Später befand sich die Handschrift vermutlich in der nordfranzösischen Abtei Saint-Bertin. Im 16. Jahrhundert kam die Handschrift in den Besitz des Genter Patriziers und Humanisten Jakob Susius, bevor sie von Hugo Grotius wiederentdeckt wurde. Später gehörte die Handschrift der Königin Christina von Schweden. Diese überliess die Aratea vor ihrer Abreise nach Rom ihrem Bibliothekar Isaac Vossius. 1690 erwarb die Universität Leiden die Handschrift. ... Die Handschrift ist mit 39 ganzseitigen Bildern illustriert. Diese sind nach antiker Tradition fast quadratisch angelegt. Als Hintergrund wählte der aussergewöhnlich begabte Künstler, vermutlich vom nächtlichen Himmel inspiriert, ein geheimnisvolles Blau, von einem feuerroten Band eingerahmt. Die Sterne selbst sind mit Gold aufgelegt, so dass sie, abhängig vom Lichteinfall, funkeln wie ihre Vorlagen am realen Firmament in schönen, wolkenlosen Nächten. Erlesen sind die Darstellungen der Sternbilder, traditionsgemäss versinnbildlicht als mythologische Gestalten und Figuren, unter denen die antike Welt die Sternzeichen sah, die ihre gelehrten Astronomen am Himmel beobachtet hatten. Seit den Jahrhunderten der Frühzeit hatten sie Tageszeiten und Jahreswechsel angezeigt; Seefahrern und Landleuten waren sie Wegweiser und Wetterzeichen gewesen ..." (Faksimile Verlag Luzern).

Erhaltungszustand:

Rücken vom Faksimile-, Kommentarband und Schuber mit Bibliotheksetiketten, Kommentarband mit Bibliotheksstempel (ausgeschieden) auf Titelblatt verso.