Beschreibung:

24 S.; 22 cm; geheftet.

Bemerkung:

Sehr gutes Ex. - Text in Deutsch. // Der 6. Mai 1999 ist nicht nur ein historischer Tag für Schottland und Wales; die Anwesenheit unseres verehrten Gastes beschert uns gleichfalls eine Sternstunde: Freilich nicht die einer Urwahl zu einem Parlament, wohl aber die erste öffentliche Lesung aus der Autobiographie des seit über drei Jahrzehnten wohl maßgeblichsten Anwalts in der literarischen Republik deutschsprachiger Kultur. Keine Lobeshymne auf die kritische Urteilskraft Marcel Reich-Ranickis könnte angemessen das beschreiben, was wir an ihm bewundern: Diesen unbedingten Einsatz für die Sache der Literatur, diese nie nachlassende Leidenschaft für die Aufgabe der Kritik. Ein solches Wirken, wir dürfen es mit Fug einzigartig nennen, setzt neben überragendem Können immense Zivilcourage voraus. Denn der wahre Kritiker kann gar nicht anders, als der Literatur und der Gesellschaft, der sie entstammt, zu nahe zu treten; er muß irritieren, unbequem sein, manche, viele vor den Kopf stoßen, muß aber noch im scheinbar Maß-losen des Lobes oder Verrisses seinen Maßstab erkennen lassen und ihn -auch und gerade gegen den Zeitgeist - vertreten. Marcel Reich-Ranicki lebt dieses Ethos des Kritikers wie kein anderer - cum ira et Studio - mit umfassendem Wissen, mit leidenschaftlicher Vehemenz, Ironie und einem rhetorischen Vermögen, das vergeblich seinesgleichen sucht. Was kaum jemand für möglich gehalten hätte: Es ist Marcel Reich-Ranicki gelungen, die Literatur im deutschsprachigen Raum zu einem Medienereignis ersten Ranges zu machen. Ihm ist es zu verdanken, daß Literatur in die Hauptsendezeiten gefunden hat und mithin zu einem Hauptanliegen erklärt worden ist. Marcel Reich-Ranicki hat in der Bundesrepublik Deutschland die kritische Kultur entscheidend mitgeprägt, nicht, indem er kritische Theorien entworfen hätte, sondern indem er den Sinn der Kritik bis heute uns allen vorlebt. (Vorwort von Rüdiger Görner) ISBN 0854571949