Beschreibung:

genannten Mährischen Brüder-Gemeine betreffenden Umständen, so der Verfasser, seit der Zeit, da er unter dem breiten Herren-Hut als ein 7jähriger Diener und Arbeiter gestanden, leyder, theils an sich selber, theils von andern Wahrheit-liebenden erfahren hat, zur Warnung vor alle diejenigen, so diese Schleicher vor ächte Jünger Jesu und seine Gesandten, nicht allein halten, sodern noch Lust haben unter ihren geborgten Schaaf-Pelz zu kriechen, wohlmeynend an das Licht gestellet. Erster [und zweyter] Theil. 2 Teile in 1 Band.. Titel, (22), 216 Seiten; Titel, (6), 296 Seiten. Mit zwei Holzschnitt-Illustrationen (Herrnhuter-Betzirkel / Mit Tierdarstellungen [!] gefüllte Seitenwunde Jesu), einigen Kopfstücken, Vignetten und Initialen in Holzschnitt, 8° (17,5 x 10,5 cm). Pappband des 19. Jahrhunderts mit grauen Kleisterpapierbezügen und handschriftlichem Papier-Rückenschild.

Bemerkung:

Seltenes und drastisches Antizinzendorfianum, vollständig in zwei Teilen. - Es erschienen 1751/52 drei Paralleldrucke in identischem Umfang; vorliegendes Exemplar möglicherweise Kombination von zwei verschiedenen Ausgaben (etwas abweichende Typen, unterschiedlicher Buchschmuck). Der zweite Teil evtl. eigentliche editio pinceps (?), da in Berlin "zu finden bey dem Verfasser, auf dem Werder in der Wallstraße". - Scharfe anti-herrnhutische Schrift eines "Deserteurs", der die Brüder-Unität nach sieben Jahren verlassen hat, und weltliche Mißbräuche ("Fressen und Sauffen") sowie sexuelle Freizügigkeiten und Doppelmoral vor allem der führenden Berliner Brüder anklagt. Augenfällig ist die durch eine Abbildung der Seitenwunde Christi illustrierte Kritik an den radikalen Entwicklungen der sog. 'Sichtungszeit', in der die deutschen Herrnhuter unter Einfluß Christian Renatus von Zinzendorfs, dem Sohn des Grafen, einen schwärmerischen Blut-, Lammes- und Wundenkult (Mystifizierung des 'Seitenhöhlchens') pflegten. Bothe erkennt instinktiv die erotisch-sexuelle Komponente dieser Verehrung. - Der zweite Teil mit verstärkten Angriffen unter Nennung zahlreicher Namen. - Zum Autor kaum etwas zu ermitteln; vgl. Meusel I, 539f. ("Nicht, wie Adelung vermuthet, ein lutherischer Geistlicher, sondern ein Schneider zu Berlin" - das entspricht zwar der Selbstbezeichnung Bothes in seiner Vorrede an den "Bruder Ludewig" [i.e. Zinzendorf], ist möglicherweise aber Camouflage). - Dietrich Meyer (Zinzendorf und Herrnhut, 50) erwähnt Bothe ohne weitere biographische Details als "ehemaligen Herrnhuter". - "Ja, wenn es GOtt nicht verhütet hätte; so würde ich auch leicht zu einem solchen Schätzel, Creutz-Luft-Vögelein, Täublein, Kälbelein und Schweinelein geworden seyn, wie du und Deine ganze Ehe-Herzel und Ehe-Schätzel sind, die ihrer Phantasie nach beständig in den Wunden herum wühlen, daß dadurch die sonst so gesunde Creutz-Luft, oder der Dunst davon, in einen abscheulichen Gestank verwandelt worden ist?" (Vorrede). - Berieben und beschabt, Ecken bestoßen. Außengelenke, Kapitale und Kanten mit Fehlstellen im Bezug. - Vorsätze entfernt. Durchgehend leicht gebräunt, gelegentlich leicht fleckig; vereinzelte Fingerflecken. - Seite 177/178 des zweiten Teils mit großem Randausriß (Textverlust). - Insgesamt gutes Exemplar. - Meyer, Bibliogr. Handbuch Zinzendorf-Forschung B 339.1.2. - Jantz 582 (vgl.).