Beschreibung:

(7), 166 Bll. Zweispaltiger Frakturdruck. Mit einigen gestochenen Initialen, einer figürlichen Druckermarke unter dem Kolophon und Glossen am Textrand. 8° (17,5 x 12,5 cm). Etwas späterer Lederband auf 4 Bünden mit gesprenkeltem Schnitt. [Hardcover / fest gebunden].

Bemerkung:

Der Kommentar von Thomas von Aquin zum Johannes-Evangelium, ein Meisterwerk christlicher Exegese, in einer unauffindbaren Lyoneser Edition des frühen 16. Jahrhunderts. - Nach Otto Hermann Pesch, Mitarbeiter an der deutschen Thomas-Ausgabe, geht der Kommentar unmittelbar der Ausarbeitung der Christologie in der Summa Theologiae voraus und zeigt Thomas auf der Höhe seines exegetischen Könnens. Die Erschließung der Evangelienstellen beginnt jeweils damit, dass in einer systematischen Gliederung herausgearbeitet wird, was der Evangelist beabsichtigte und wie er vorging, um es zu erreichen. Auf der Grundlage dieses Gerüsts werden dann die verschiedenartigsten Erklärungen gegeben, zum Beispiel sachlich-historische, betreffend etwa Gegebenheiten der jüdischen Religion und des Alltagslebens, die Topographie des Heiligen Landes, die Bedeutung von Orts- und Personennamen oder die Chronologie der Ereignisse im Leben Christi. Dabei versucht Thomas, Erklärungen zu finden für die Unterschiede der Darstellung zwischen den Evangelisten. Ferner erörtert der Aquinat, vor allem in den ersten elf Lectiones und oft im Rückgriff auf Aristoteles, Fragen mit philosophischen Implikationen, etwa zum Begriff des Wortes (Logos, Inneres Wort). In einem nächsten Schritt setzt Th. v. Aquin die jeweils besprochene Evangelienstelle in Beziehung zu anderen Texten biblischen und außerbiblischen Ursprungs. Des Weiteren widmet Thomas von Aquin der Auseinandersetzung mit Häresien große Aufmerksamkeit, die er meistens durch den Nachweis eines Widerspruchs zu entkräften unternimmt, in dem sie zur Heiligen Schrift selber stehen. - Kanten des Ledereinbandes minimal berieben. Rückenschild entfernt. Kleiner Wurmgang auf der vorderen Deckelinnenseite, einzelner, unscheinbarer Wurmgang durch die obere Texthälfte der äußeren Spalte auf ca. 120 Seiten. Wenig auffälliger Wasserrand am unteren Rand der letzten ca 20 Blätter. Insgesamt außerordentlich gut erhaltenes und schönes Exemplar des bedeutenden und sehr seltenen Johannes-Kommentars in dezentem, aber solidem und gut erhaltenem Ledereinband. - Mit der schönen zweiten Druckermarke Jacopo Giuntas (Unter Lilie an Olivenbaum hängender, von Löwen flankierter Wappenschild mit stilisiertem Reichsapfel, darin die Initialen J.F.Z.) im Kolophon. Eine Zusammenarbeit von Giunta und Huyon (dem ausführenden Drucker dieser Ausgabe) ist für andere Werke aus der Zeit belegt. - Nicht bei Adams, nicht im BMGC, nicht im OCLC, nicht bei Baudrier und bei von Gültlingen. - Für uns bibliographisch nicht nachweisbar.