Beschreibung:

418, (2); (4), 376; (30), 466; (4), 379, (1) Seiten. Kl. 8° (16 x 10,5 cm). Halblederbände der Zeit auf fünf Bünden mit reicher Rokoko-Rückenvergoldung, goldgeprägten Rückenschildern, Lederecken, Kiebitzpapierbezügen, grau gefärbtem Schnitt und Marmorpapiervorsätzen.

Bemerkung:

Skandalträchtige, entmythologisierende Bibelübersetzung ("Keine Übersetzung, sondern eine vorsätzlich und frevelhafte Schändung", J.M. Goeze) in empfindsam-moderner Sprache. Mit textkritischen Anmerkungen und Ausfällen gegen die Apostel ("unstudierte Leute, die weder Plan noch Ausdruck zu wählen wußten), den griechischen Urtext ("Bastart von einer Sprache") und Luthers Bibelübersetzung ("mytischer, zweydeutiger und dunkler Kram"); von Goethe kongenial in dem "Prolog zu den neusten Offenbarungen Gottes" verspottet ("So redt' ich, wenn ich Christus wär"). - Die Übersetzung führte zu scharfen Angriffen gegen Bahrdt und zu Kontroversen u.a. zwischen Lessing und Johann Melchior Goeze. - Der Theologe, Freimaurer und intellektuelle Abenteuerer Bahrdt (1741-92) gehört zu den schillerndsten Persönlichkeiten der deutschen Aufklärung, dessen Werk (trotz wachsenden Interesses in jüngster Zeit) noch immer einer adäquaten wissenschaftlichen Neubewertung harrt. Mehrfach wegen heterodoxer und rationalistischer Lehren aus Professuren in Leipzig, Halle und Gießen geschaßt, wegen der "Neusten Offenbarungen" seiner Dürkheimer Superintendentur verwiesen, danach in Halle bis zum nächsten Eklat mühevoll geduldet, mit seiner Dienstmagd in wilder Ehe zusammenlebend und auf eigenem Weinberg eine Gastwirtschaft betreibend, wurde Bahrdt schließlich wegen seines satirischen Widerstands gegen das Wöllnersche Religionsedikt eingekerkert und starb bald nach der Festungshaft. Er begründete einen eigenen Illuminatenorden, die "Deutsche Union der Zweiundzwanziger", und verfaßte eine Flut von Polemiken und Kleinschriften. /// Auf dem Innendeckel gestochenes (schlesisches?) Exlibris: Dreigeteiltes, gekröntes ovales Wappenbild mit gekreuzten Hämmern unter Adler in Strahlenornament. - Decken gering, Rücken etwas stärker berieben. Außengelenke leicht brüchig. Obere Kapitale schonend restauriert. - Der Block mittig angebrochen. Bezüge der Innendeckel angestaubt, an der vorderen Deckelkante etwas zu kurz angesetzt. Gering gebräunt und vereinzelt minimal fleckig. - Schönes Exemplar, in dekorativen Einbänden und auf starkem, sauberem Papier. - Goed IV/1, 820, 44a. - Jacob/Majewski 343. - Goedeke IV/1,826, 77. - Kosch I, 239. - ADB I, 772f. - Realencyklopädie II, 357ff. (tendenziös). - BBKL I, 346f.