Beschreibung:

Coron-Exklusiv-Ausgabe von MS 209 der Lambeth Palace Library London mit dem Faksimile des Prunkdeckels Inv. no. 651-1889 aus dem Victoria & Albert Museum London. [Textband + Kommentarband in Schatulle mit aufgelegtem Prunkdeckel]. Einführungen und Bilderläuterungen von Ruth Mettler. Kunsthistorischer Kommentar von Nigel Morgan mit Beiträgen von Michelle Brown und Frauke Steebock.. 4°, Faksimile: 78,28 S. farb Faksimile mit Handvergoldung in 23,5ct einzeln beschnitten im Format des Originals: ca. 272 x 196 mm.; Kommentar: 378 S., mit Beiträgen von Ruth Mettler, Nigel Morgan, Michelle Brown und zahlreichen Vergleichsabbildungen, beide Bände in rotem Lammleder; Faksimile mit Silber-Eckbeschlägen, 2 -Schliessen und aufgelegtem -Bibliothekssiegel (Bibliotheca Lambethana); Kommentarband mit goldPräg (Erzbischöfliches Wappen von Canterbury), beide Bände in lederbezogenem Buchkasten mit goldPräg, Zwischenkorkplatten, Hebebändchen, darauf der Prunkdeckel,

Bemerkung:

Exemplar 172/250.- Der Prunkdeckel nach dem aus Limoges stammendem Original des Victoria & Albert Museums: Originalgetreu nachgestaltet die Struktur des mittelalterlichen Emails in stegloser Grubenschmelztechnik.- Dem Vorbild entsprechend sind die Gold-Email-Platte und ihre plastischen Elemente, der Christuskopf und die Evangelistensymbole, mit all ihren Unebenheiten auf eine schlichte Weichholzrahmung gesetzt.- Dies ist die erste vollständige Faksimile-Ausgabe der weltberühmten Lambeth Apokalypse - benannt nach ihrem Standort in der altehrwürdigen Bibliothek des Erzbischofs von Canterbury im Londoner Lambeth Palace. In London auch ist dieses Werk wohl entstanden, in jener Werkstatt, deren Symbol der Pfau war, der auf der Eingangsseite dargestellt ist. Der Abschluss des Hauptteils der Handschrift erfolgte vermutlich um 1260. Die Lambeth Apokalypse ist eines jener frühen Zeugnisse, die für eine ganze Epoche der franco-englischen Buchmalerei Maßstäbe setzte - in einer Zeit, in der die apokalyptischen Visionen wie in kaum einem anderen Land für Auftraggeber und Künstler besondere Aktualität gewonnen hatten. Die "Geheime Offenbarung", griechisch: Apokalypse, schrieb ein Judenchrist, "Johannes", wie er sich selbst nennt, Ende des 1. Jahrhunderts. Wohl zum Teil während seiner Gefangenschaft auf der Insel Patmos ist das Werk entstanden. Es wurzelt tief in den prophetischen Visionen des alten Testaments. Sein Anliegen war die Stärkung der zerstreuten frühchristlichen Gemeinden in Kleinasien im Kampf gegen Verfolgung und Tyrannei durch die römischen Machthaber und ihren Personenkult. In irdischen und überirdischen Visionen von poetischer Sprachgewalt entfaltet sich hier der Kampf zwischen den Mächten des Bösen und des von Gott bestimmten Guten, verkörpert in Messias, dem leidenden und siegreichen Christus. Am Ende steht der Sieg des Guten nach dem göttlichen Heilsplan: das letzte "Weltgericht" und die Vision vom himmlischen Jerusalem, der Stätte endgültiger Erlösung. Im 3. Jahrhundert n. Chr. fand die Apokalypse als letztes Buch des Neuen Testaments Eingang in den Kanon der Bibel. Immer wieder haben christliche Kommentatoren die apokalyptischen Symbole auf ihre Weise zu deuten versucht. So entstand gegen Ende des 11. Jahrhunderts, in einer Zeit starker politischer und existenzieller Bedrohungen, jener scholastische Apokalypse-Kommentar, der in England durch zahlreiche Handschriften in Auszügen überliefert wurde: Der Kommentar des ansonsten unbekannten Predigers "Berengaudus". Auch die Lambeth Apokalypse bringt Exzerpte aus diesem Kommentar, die hier erstmals transkribiert und ins Deutsche übersetzt sind. Die Bilder der Lambeth Apokalypse selbst, deren direkte Vorbilder, aus der Zeit um 1250, zum größten Teil vernichtet sind, zeigen eine erstaunliche Nähe zum Text der Apokalypse. Sie zeugen vom tradierten Verständnis der Symbolik und der jüdischen Schriften des Alten Testaments. Aber auch Anspielungen auf Zeitgenössisches finden zuweilen versteckte Darstellung. Diese Vielfalt der Aspekte, verbunden mit der hohen künstlerischen Qualität der Miniaturen im kräftig kolorierten Zeichenstil, gibt der Lambeth Apokalypse auch für die Nachwelt eine zentrale Bedeutung in der Überlieferung. Der zweispaltige kalligraphische Text der Apokalypse und der Berengaudus Kommentare in lateinischer Sprache wird von sparsam rot und blau kolorierten oder vergoldeten Initialen sowie feinlinigem Marginaldekor geschmückt. Die 78 halbseitigen Illustrationen über dem Text stehen vor farbigen, rechteckigen Hintergründen. Strahlendes Gold betont den visionären Charakter der Bilder. Dem eigentlichen Apokalypse-Zyklus, dem Buch der Visionen, ist die "Vision" eines Benidiktinermönchs vorangestellt, der eine Madonnenstatue anmalt, die zu ihm spricht - eine Abwandlung der alten Tradition des "Autorenportraits". Ein zusätzlicher Anhang (ca. 1265-1267) von 28 ganzseitigen Miniaturen zeigt Szenen aus den christlichen Legenden um den Evangelisten "Johannes", der im Westen lange Zeit mit dem Autor der Apokalypse gleichgesetzt wurde. Es folgen andere Szenen aus bekannten und weniger bekannten Heiligenleben. Die zeitgenössische Themenwahl mag auf die Auftraggeberin - vermutlich Lady de Quincy, Gräfin von Winchester - weisen. Sie selbst ließ sich hier, zu Füßen der Madonna, abbilden. Das originalgetreue Faksimile der Handschrift entstand durch die Verbindung neuester Technik und traditionellem Handwerk. Alle Goldpartien sind, entsprechend den mittelalterlichen Handvergoldungen, in Echt-Goldauflage von 23 1/2 Karat wiedergegeben. Der Textband zur deutschen Ausgabe der Lambeth Apokalypse befasst sich in der Einleitung u.a. mit den älteren prophetischen Traditionen, auf denen die Apokalypse des Johannes aufbaut, sowie mit der historischen Situation im 1. und 13. Jahrhundert. Die Beschreibung der Bilder ist mit einer ausführlichen Interpretation der reichen apokalyptischen Symbolik verbunden. Dem transkribierten lateinischen Text der Handschrift, sowohl der Apokalypse wie auch des Kommentars, steht eine zeilengerechte deutsche Übersetzung gegenüber. Der kunsthistorische Teil des Textbandes (deutsche Übersetzung der englischen Ausgabe) befasst sich mit den kulturellen Voraussetzungen der Handschriften des 13. Jahrhunderts, Auftraggeberin, Datierung und Herkunft der Lambeth Apokalypse, analysiert Stil, Farbgebung und Technik. Eine kodikologische und paleographische Beschreibung beschließen den ausführlichen Kommentar, der zahlreiche Vergleichsabbildungen enthält.