Beschreibung:

234 S. + 20 Abb. Lit.verz. Kart.mS. *neuwertig*

Bemerkung:

Fast 500 Jahre lang wurden Menschen im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation peinlich befragt, d. h. gefoltert. Ein erster Folterfall ist 1321 für Augsburg belegt. Was uns heute wie ein entsetzliches Kapitel deutscher Unrechtsgeschichte erscheint, entsprach damals geltendem Recht. Es beruhte auf päpstlichen Bullen, kaiserlichen Privilegien und feierlich verkündeten Reichstagsbeschlüssen und sollte der Wahrheitsermittlung dienen. In den Ritualmordprozessen gegen Juden und in den großen Ketzer- und Hexenverfolgungen erlebte die Prozedur ihre schrecklichen Höhepunkte. Der Autor beschreibt in wissenschaftlich fundierter und gleichzeitig allgemein verständlicher Weise die Entstehung der Folter, ihre Durchsetzung im spätmittelalterlichen Deutschland und die beinahe alltägliche Folterpraxis. Auch die zeitgenössischen Bedenken gegenüber der peinlichen Befragung kommen zur Sprache. Baldauf erklärt zudem, wie die Folter in die Gerichtsordnungen der Frühen Neuzeit aufgenommen wurde und welche Rolle sie zu dieser Zeit in den Strafprozessen spielte. Die gängigen Foltermethoden und wichtige Folterinstrumente werden ebenfalls erläutert. Mit der Aufklärung setzten sich im 18. Jahrhundert die Widerstände gegen die Folter allmählich durch. Friedrich der Große läutete schließlich deren Abschaffung ein und im 19. Jahrhundert verschwand sie allmählich, zuletzt in Baden 1831, aus den staatlichen Rechtsordnungen der deutschen Länder. Es handelt sich um eine populärwissenschaftliche Darstellung, die Forschungsergebnisse einem breiteren Publikum zugänglich machen möchte. Diese Zielsetzung ist legitim und wünschenswert, besonders dann, wenn das breite Publikum unserer Zeit ein geschichtliches Phänomen völlig missverstehen möchte. Der Autor betreibt Volksaufklärung im besten Sinne. (Dietmar Willoweit, Professor für Deutsche Rechtsgeschichte)