Beschreibung:

126 S. Fadengehefteter Originalpappband.

Bemerkung:

Gebraucht, aber gut erhalten. - VORWORT // 1959 äußert Wolf gang Koeppen in seinem Reisebericht über Frankreich: "Das große Unglück der Menschheit, die verhängnisvolle Verwirrung von Babel könnte auf dem Boulevard Saint-Michel wiedergutgemacht werden, wenn die Völker sich unter französischer Sitte zusammenfänden und an Verstand und Größe gewönnen. Viele Franzosen träumten so; an mindestens ebenso vielen Franzosen scheiterte der Traum. Abgesehen davon, daß Traum und Plan aus ganz anderen Gründen und nach dem Gesetz des Verhängnisses von Anfang an zum Scheitern verurteilt waren; denn das Schicksal will wohl die Verwirrung, die Zerstreuung, die feste Feindschaft der Stämme, Rassen, Hautfarben, Nasenformen, Gewohnheiten, Gebete, und vielleicht fürchten, wie in der Sage, die wahren, die bösen, die unsichtbaren Götter die friedliche, die starke Gemeinschaft der Erdbewohner." (GW IV: 614) Es wird damit ein Thema angesprochen, das sich durch das ganze Werk Koeppens hindurchzieht: das Problem der Feindschaft zwischen Menschen unterschiedlicher 'Rassen' und Kulturen. Was ist das den Autor leitende Interesse? Was will er vermitteln? Natürlich hebt er den offenen und latenten Rassismus und den nach 1945 weiterwirkenden Antisemitismus ins Bewußtsein, und das ist gewiß ein Verdienst. Es fragt sich aber, warum und mit welcher Absicht er dies tut, zumal wenn man bedenkt, daß er in der oben zitierten Äußerung das Schicksal für die "feste Feindschaft der Stämme, Rassen, Hautfarben" verantwortlich macht und "die wahren, die bösen, die unsichtbaren Götter die friedliche, die starke Gemeinschaft der Erdbewohner" fürchten läßt. So interessant es ist, daß Koeppen die Thematik der Rassenfeindschaft immer wieder anspricht, so rätselhaft scheint mir seine Motivation zu sein; es ist die von Buchholz benannte "Mischung von Faszination und Irritation", die auch diese Arbeit begründet. Die Irritation verstärkt sich, bedenkt man Koeppens Selbstverständnis als Schriftsteller, soweit es sich in seinen eigenen Bekundungen niederschlägt. Koeppen versteht sich zunächst und in erster Linie als Außenseiter, der die Welt beobachtet und Zeugnis ablegt. "Der Schreibende steht als Beobachter des Lebens mit seinen wechselnden Gefühlen, seinem ehrlichen Entsetzen, dem mannigfaltigen Mitleiden, dem hilflosen Zorn, der bösen Verzweiflung an einem archimedischen Punkt außerhalb des Sozialgefüges." Als Außenstehender betrachtet er die Menschen um sich herum "mitfühlend", allerdings nicht alle: "Ich finde, der Schriftsteller steht immer auf der Seite der Unterdrückten, der Ohnmächtigen, der Armen. Er nimmt für sie Partei. Das tue ich instinktiv." ... ISBN 3925678794